Nordrhein-Westfalen fördert Oper Dortmund mit 864.651 Euro. Förderprogramm „Neue Wege“ unterstützt Outreachprojekte und Junge Oper

Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen hat gemeinsam mit Michael Schmitz-Aufterbeck, Sprecher der Ständigen Konferenz der Intendanten Nordrhein-Westfalen, und Dr. Christian Esch, Direktor des NRW Kultursekretariats (Wuppertal) und Vorsitzender der Jury, die Juryentscheidung für das erstmals ausgeschriebene Förderprogramm „Neue Wege“ bekanntgegeben. Mit insgesamt rund 9,2 Millionen Euro werden in der ersten Förderrunde 13 kommunale Theater und Orchester für in der Regel drei Jahre unterstützt. Die Mittel fördern die Stärkung und Ausbildung von besonderen Profilen und künstlerischer Qualität. Die Oper Dortmund wird für die Projekte Junge Oper, Biennale Outreachfestival und Bürgeroper mit insgesamt 864.651 Euro gefördert.

Nordrhein-Westfalen fördert Oper Dortmund mit 864.651 Euro. Förderprogramm „Neue Wege“ unterstützt Outreachprojekte und Junge Oper weiterlesen

Die Deutsche Oper Berlin feiert den 200. Geburtstag von Theodor Fontane mit einer neuen Fontane-Oper. Am 28. April war Premiere von Detlev Glanerts „Oceane“! Und es war ein Fest, wie der Komponist am Tag danach in einem Interview verraten hat

Ausverkauft! Zur Uraufführung von Detlev Glanerts „Oceane von Parceval“, frei nach einem gleichnamigen Fragment von Theodor Fontane, quetscht sich das Publikum in die Parkettreihen. Und mit seinen 1850 Plätzen ist die Deutsche Oper Berlin kein kleines Haus! Ist es etwa das Interesse an Neuer Musik, an Theodor Fontane, immerhin vor den Toren Berlins in Neuruppin geboren und ein großer Jubilar dieses Jahr? Oder ist es das Interesse am hier heimisch gewordenen Komponisten? Der Wahlberliner Detlev Glanert lebt hier seit 1987. Als Donald Runnicles, Generalmusikdirektor der Oper und Dirigent des Abends, den Orchestergraben betritt, brandet mehr als Beifall auf! Erwartung und Vorabbestätigung zugleich. Alles steht unter einem guten Stern an diesem Abend. Das Sängerensemble ist großartig besetzt: mit Doris Soffel als Grande Dame und Hotelbesitzerin, mit Maria Bengtsson in der Hauptrolle und Tenor Nikolai Schukoff als ihrem Paarpartner. Die finnisch-schwedische Bengtsson ist ein gefragter Berliner Liebling und eine der wenigen, die derzeit an allen drei Opernhäusern der Hauptstadt zu erleben ist. Also das Sängerensemble und eine feinsinnig bis großartig aufgefächerte Musik, die auch mit rapiden Stimmungsumschwüngen und rasanten Wechseln von Gruppen- und Ensembleszenen für Tempo sorgt, überzeugen an diesem Abend. Dazu die beeindruckende Videoprojektionen eines Meeres, das von der gigantischen Hohlkehle im Bühnenhintergrund bis in den Orchestergraben brandet. Für einen heutigen Komponisten muss das eine Bestätigung sein. Zumal Detlev Glanert einer der wenigen ist, die nur vom Komponieren leben. Und dennoch ist die Aufregung am Tag der Premiere groß. Unser Interview wird auf den Tag danach verlegt. Wie man sich nach diesem Erfolg fühlt, musste die erste Frage sein. (Das Interview führte Sabine Weber) Die Deutsche Oper Berlin feiert den 200. Geburtstag von Theodor Fontane mit einer neuen Fontane-Oper. Am 28. April war Premiere von Detlev Glanerts „Oceane“! Und es war ein Fest, wie der Komponist am Tag danach in einem Interview verraten hat weiterlesen

Philip Venables’ Kammeroper „4.48 Psychose“ erlebt ihre deutschsprachige Erstaufführung an der Semper Zwei

Wer ein Theaterstücke von Sarah Kane je erlebt hat, weiß um ihre messerscharfe Beobachtungsgabe und widerständigen Bildmetaphern, die individuelle Zustände brutal offenlegen. So in „4.48 Psychosis“ von 1998. Darin gewährt sie schonungslos Einblicke in eine Depression. Es ist ihr letztes Stück und hat autobiografische Bezüge. Eine Depression hat sie ein Jahr später mit erst 28 Jahre in den Freitod getrieben. Noch nie ist ein Theaterstück von ihr vertont worden. Das dramatische Vermächtnis verwaltet ihr Bruder. Zu ihrem Vermächtnis gehört auch, dass sie ihre Stücke nicht bearbeitet wissen wollte. Gleichzeitig sollten sie aber auch nicht museal verstauben. Ein Widerspruch, über den Philip Venables mit Simon Kane verhandelt und ihn überzeugt hat! 2015 bekommt Venables die Rechte. 2016 wird seine erste abendfüllende Kammeroper unter gleichnamigem Titel am Lyric Theatre Hammersmith, London, uraufgeführt, und frenetisch gefeiert. Noch im gleichen Jahr wird sie mit dem Royal Philharmonic Society Award ausgezeichnet. Das ist die höchste Auszeichnung für aufgeführte Musik in Großbritannien. Ein erstaunlicher Senkrechtstart eines Komponisten, der bisher noch nicht groß aufgefallen ist. Jetzt hat Venables für Dresden eine deutsche Fassung neukomponiert. Neukomponiert, weil die deutsche Übersetzung von Durs Grünbein stammt, der die Vorlage poetisiert und darauf bestanden hat, das nichts verändert wird. Venables hat auch bei der englischen Fassung den Text Kanes vorne stehen lassen und nichts verändert. Seine Vertonung ist also auf Sprachrhythmus angelegt ist. Jetzt hat die deutsche Fassung der ersten Kane-Oper und des Erstlingswerks von Venables an der Semper 2 die deutsche Erstaufführung erlebt. (von Sabine Weber) Philip Venables’ Kammeroper „4.48 Psychose“ erlebt ihre deutschsprachige Erstaufführung an der Semper Zwei weiterlesen

Hèctor Parras „Les Bienveillantes“ an der Opera Vlaanderen. Calixto Bieito inszeniert die Opernumsetzung von Jonathan Litells umstrittenen Roman

Nach Chaya Czernowins Oper „Infinite Now“ im Jahr 2017, in dessen Zentrum der Schrecken des Ersten Weltkriegs stand, hat die Vlaamse Opera in Antwerpen nun eine weitere Oper mit Weltkriegs-Thematik zur Welturaufführung gebracht. Diesmal geht es um die entsetzlichen Verbrechen, die Massaker und den Holocaust  während des zweiten Weltkriegs.
Der katalanische Komponisten Hèctor Parra hat gemeinsam mit dem österreichischen Dramatiker Händl Klaus, der das Libretto verfaßte, Jonathan Litells umstrittenen Roman „Les Bienveillantes“ in eine Opernfassung gebracht. Dazu stießen der katalanische Regisseur Calixto Bieito und der für Neue-Musik-Aufführungen renommierte deutsche Dirigent Peter Rundel – ein Quartett, dass bereits gemeinsam miteinander gearbeitet hat: es hat 2015 mit großem Erfolg die Uraufführung von Hèctor Parras Oper „Wilde“ bei den Schwetzinger Festspielen verwirklicht.

Hèctor Parras „Les Bienveillantes“ an der Opera Vlaanderen. Calixto Bieito inszeniert die Opernumsetzung von Jonathan Litells umstrittenen Roman weiterlesen

„Quartett“ nach Heiner Müller, bearbeitet und vertont von Luca Francesconi, wird an der Oper Dortmund bejubelt!

Standing Ovations! Aber leider von viel zu wenigen! Und es liegt nicht daran, dass der Titel „Quartett“ vielleicht zu nüchtern klingt. Was ist los in Dortmund? Hier, erklärt mir ein Opernbesucher, fülle man nur das Stadion! Und verpasst also ignorant, was die eigene Oper zu bieten hat? Da schüttelt die Kölnerin ratlos den Kopf! Denn in diesem Fall ist das die Deutschlandpremiere von Luca Francesconis „Quartett“. Die Oper basiert auf Heiner Müllers Adaption des berühmten und skandalumwitterten französischen Briefromans „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos von 1782. Den meisten durch die grandiose Verfilmung mit John Malkovich und Glenn Close ein Begriff. Vicomte Valmont und Marquise de Merteuil spinnen Leidenschaftsintrigen, um ihre sexuelle Gier mit Erfolgserlebnissen darüber zu befriedigen, dass sie Unschuldige verführen und sozial vernichten. 1980 hat der DDR Autor Heiner Müller daraus ein existentielles Zwei-Personenstück extrahiert, das die Sexgier auf beide zurück wirft! Valmont und Merteuil vertauschen nämlich nicht nur ihre Rollen. Sie schlüpfen auch in die der Opfer. Realität, Erzählung, Gier und Exzess verschwimmen auf einer virtuellen Spielebene und werden zu einem Zweikampf zwischen Mann und Frau auf Leben und Tod. Der Mailänder Komponist Luca Francesconi hat 2011 daraus eine anderthalbstündige Oper in 13 Szenen entwickelt. Orchestermusik – aus dem Graben – wird durch elektronische Klänge per Zuspielbändern à la Stockhausen über Lautsprecher zu einer Versuchsanordnung im ganzen Theaterraum. Im Mittelpunkt die beiden Kontrahenten: die schottische Sopranistin Allison Cook als Marquise M und Christian Bowers als Vicomte V, die in der Regie von Ingo Kerkhof miteinander „spielen“, wie es leibhaftiger nicht sein könnte… (Von Sabine Weber)

(19. April 2019, Theater Dortmund) Heiner Müllers Anweisung: Zeitraum: Salon vor der Französischen Revolution/Bunker nach dem dritten Weltkrieg, löst die Bühnenbildnerin Anne Neuser für die aktuelle Inszenierung an der Dortmunder Oper mit wenigen Requisiten auf. Mit einem mächtigen Baumstamm, der mit Trauerweiden-Grün von oben beliefert wird, dem es so auch wieder mal entzogen wird, einem Rokokozweisitzer in bleu links davor, und einem kleinen mobilen Paravant, der je nach dem hier und da steht und auch mal umfällt. Die Trauerweide liefert in dem ansonsten schwarzen Dunkel dieser Bühne so etwas wie eine Schein-Idylle. Irgendwann schwingt die Marquise Merteuil auch auf einer Schaukel wie in dem berühmten Bild von Jean-Honoré Fragonard. Zum Schluss steht sie doch wohl eher für ein Trauer-Spiel. Die Marquise nimmtdie Schrotflinte und erschießt alle. Die zwei Dienerinnen, die assistiert und auch als Comparsen für perverse Spielchen hergehalten haben. Dazu eine Handvoll Männer, die irgendwann mal auf der Bühne erschienen sind. Den Vicomte hat sie bereits vergiftet. Mit weißem Wein, den sie am Beginn der Oper durch eine selbsthinzugefügte Verletzung an der Hand blutig einfärbt. Das Blut der Medusa ist für Menschen ja auch giftig. Von der ist im Verlaufe des Stücks auch mal die Rede. Und von vielen existentiellen, religiösen und gesellschaftlichen Fragestellungen, die als weiße Spruchbänder auf eine Tafel neben dem Sofa projiziert werden. „Selbst die Liebe Gottes braucht Körper. Wollen Sie mein Kreuz sein?“ Damit reagiert die Regie wohl auf Francesconi, der Müllers Libretto um einige philosophische Deutungsebenen und Fragestellungen erweitert hat.

Das konterkariert in keiner Weise das irritierende Vexierspiel der beiden Protagonisten, die sich im Kampf gegen sich selbst in die jeweils andere Rolle und mit Genuss auch in die der Opfer werfen. Das ist auch in dem Theaterstück bei Müller bis zu einem gewissen Punkt verwirrend und offen gelassen. Es wird in eine Rolle hinein und wieder heraus gesprungen. Ingo Kerkhof nimmt die Doppeldeutigkeit en passant in die Dauerspannung auf, in der er die beiden Protagonisten agieren lässt. Mal provozieren sie sich über Alterserscheinungen, dann Lust- oder Neidgeplagt über die Auswahl der Opfer. Und dann traktieren sie sich selbst im Liebesspiel, fahren sich unter die Wäsche, imitieren Fesselspielchen, hängend gefesselt an Weidenästen oder sie greifen sich selbst in den Schritt. Aufgetürmte Whiskygläser vorne am Bühnenrand werden immer wieder gefüllt, geleert und über die Schulter nach hinten in den Bühnenabgrund geschleudert. Beide werden zum verschwörerischen Team und tanzen wie Fred Astaire und Ginger Rogers über die Bühne oder sind Zauberer und Assistentin. Kostümbildnerin Inge Medert hat für Allison Cook ein bezauberndes, ihre schlanke Figur betonendes eng anliegendes Abendkleid mit tiefem Ausschnitt und fallenden Plissées geschneidert. Darüber wirft Sie den Herrenrock oder einen Reifrocktüll, den auch Christian Bowers sich umlegt, wenn er seinen Herrenrock mit angedeuteten barocken Jabots an den Ärmeln ausgezogen hat. Eine Melone wird wechselseitig aufgesetzt. Die Musik von Francesconi besteht aus Violinähnlichen Glissandi und elektronischen Sounds, wie man sie von Stockhausen kennt. Einige Male erinnert sie sogar an mikropolyphonal gestaltete chorische Klänge György Ligetis. Und immer wieder Schnalzen, Klicken Schlagen. Es flirrt, es klingelt, dann tönt das Blech. Immer wieder neue Zustände, und perfekt ineinander verschachtelt liefern reale und irreale Klänge einen beeindruckenden Raumklang. Und es gibt sogar ein Trompetensolo und ganz kurz Tänzerisches im Dreivierteltakt. Darüber ist der Gesang sprechverständlich angelegt. Wobei Francesconi die französische Vorlage, bearbeitet von einem Deutschen in englischer Sprache präsentiert. Da wüsste man gern, warum. Ein Vexierspiel auf einer weiteren Ebene? Einige Male tönt die Stimme des einen auch vom Band und klingt wie innere Gedanken oder der andere bewegt den Mund dazu. Allison Cook als Marquise bewältigt ihren Part sich oftmals verführerisch räkelnd. Lasziv oder gierig turnt sie auf dem Zweisitzer und hängt auch mal Kopfüber herunter, und schlägt mit ihrer dramatischen Sopranstimme an diesem Abend auch mal wütig durch. Sie ist schon rein optisch die perfekte Marquise. Und hat sie auch schon bei der Uraufführung an der Mailänder Scala 2012 verkörpert. Bariton Christian Bowers hat es etwas schwerer, den Vicomte auszufüllen. Vielleicht, weil die Erinnerung  an John Malkovichs zynisches Lächeln in der Verkörperung dieser Rolle in dem Film, mit dem er berühmt wurde, da erstmal etwas im Weg steht. Aber auch er füllt von der ersten bis zur letzten Minute den Part des immer Sexgierigen auch stimmlich überzeugend aus. Am Ende, nachdem Madame Tourvel und die unschuldige Nichte durch Verführung vernichtet, letztere sogar ermordet wurde, vollzogen mit Lust an der Marquise, ist nicht sie tot, sondern Valmont! Sex aus Gier ist zerstörerisch. Gefühllosigkeit ist das Ergebnis. Und Mord! Aber vor allem lebt das Stück von den miteinander „spielenden“ beiden Darstellern. In dieser Produktion ein perfektes Paar, das in dem irren Spiel keinen Leerlauf hat! Diese Produktion ist ein vollwertiger Ersatz für die eigentlich an diesem Tag vorgesehene Deutsche Erstaufführung von György Kurtàgs „Fin de Partie“ (siehe Rezension klassikfavori vom 19. November 2018). Die Zweitinszenierung musste wohl wegen eines Exklusivanspruchs der Mailänder Scala, wo das Stück uraufgeführt wurde, vertagt werden. Man wüsste natürlich gern, was Regisseur Ingo Kerkhof – nach dieser Erfahrung – aus Kurtàgs Stück wohl heraus geholt hätte…

Jeanne D‘Arc zur Passionszeit – Köln nimmt Walter Braunfels’ Oper wieder auf!

Das hat doch etwas von einer Passion: „Bereite Dich! Unserem Herrn Jesu zu folgen. Auch er wurde gefangen genommen …!“ So die heiligen Margarethe und die heilige Katharina zur schlafenden Johanna. Im Dritten Teil verkünden ihr die himmlische Stimmen großes Leid. Allerdings nicht im Wald von Compiègne unter einer Eiche. Im Kölner Staatenhaus spielen die Szenen der heiligen Johanna auf einer aufgetürmten und ziemlich jetzt-zeitigen Müllhalde. (Von Sabine Weber)

Juliane Banse (Johanna) schwenkt die Fahne auf dem Autowrack! Davor knien John Heuzenroeder (Herzog von Alenςon), Erzengel Michael als Kind (Robert Koch) und Oliver Zwarg (Gilles de Rais, genannt „Blaubart“). An den Aureolen zu erkennen sind Menna Cazel (Hl. Katharina) und rechts Arnheiđur Eiríksdóttir (Hl. Margarete). Vor dem Chor und der Statisterie der Oper Köln neben den Wrack steht Lothar Odinius im Schlafanzug (Karl von Valois, König von Frankreich). Foto: Paul Leclaire

Juliane Banse (Johanna) schwenkt die Fahne auf dem Autowrack! Davor knien John Heuzenroeder (Herzog von Alenςon), Erzengel Michael als Kind (Robert Koch) und Oliver Zwarg (Gilles de Rais, genannt „Blaubart“). An den Aureolen zu erkennen sind Menna Cazel (Hl. Katharina) und rechts Arnheiđur Eiríksdóttir (Hl. Margarete). Vor dem Chor und der Statisterie der Oper Köln neben den Wrack steht Lothar Odinius im Schlafanzug (Karl von Valois, König von Frankreich). Foto: Paul Leclaire

Jeanne D‘Arc zur Passionszeit – Köln nimmt Walter Braunfels’ Oper wieder auf! weiterlesen

Leoš Janáčeks „Die Sache Makropulos“ wird aktuell zugunsten des Theater Bonns entschieden!

Yannick-Muriel Noah (Emilia Marty); Christian Georg (Vítek); Johannes Mertes (Hauk-Šendorf); Thomas Piffka (Albert Gregor). Foto: Theater Bonn

Yannick-Muriel Noah (Emilia Marty); Christian Georg (Vítek); Johannes Mertes (Hauk-Šendorf);
Thomas Piffka (Albert Gregor). Foto: Theater Bonn

Wenn Juristen zu einem Prozessausgang befragt werden, antworten sie gern: „kommt ganz drauf an!“ Und ziehen sich aus der Affäre. In der aktuellen Bonner Inszenierung von Leoš Janáčeks „Die Sache Makropulos“ kommt alles auf sie an: die kanadische Sopranistin Yannick-Muriel Noah. Sie verkörpert nämlich die Hauptrolle der Emilia Marty, die in einen bereits seit 100 Jahren währenden Prozessverlauf eingreift! Und sie verändert nicht nur die Aktenlage, sie stürzt auch sämtliche beteiligten Männer und mit ihnen eine männlich dominierte Welt in eine Sinnkrise! Und entscheidet sich im Finale dann lieber auch zu sterben!
(Von Sabine Weber) Leoš Janáčeks „Die Sache Makropulos“ wird aktuell zugunsten des Theater Bonns entschieden! weiterlesen

Die Opernklasse an der Musikhochschule Köln fragt #MeToo? Und spielt und diskutiert sexuellen Missbrauch

Die Kölner Musiktheaterklasse probt derzeit eine Oper, in der auf offener Bühne vergewaltigt wird! Um nichts anderes geht es in Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“. Auch wenn der Stoff, den Benjamin Britten 1947 unmittelbar nach seinem Erfolg von „Peter Grimes“ in Angriff nimmt, in die Antike verweist, er ist radikal modern! Leider! Warum Pazifist Britten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Drama einer vergewaltigten Frau durch einen Testosteron-gesteuerten Kriegsherrn seine Serie von Kammeropern eröffnet, darüber ließe sich natürlich trefflich spekulieren. Britten selbst hat darüber geschwiegen. Der Stoff sorgt in Köln derzeit dafür, dass junge Gesangsstudentinnen und -studenten an der Hochschule für Musik und Tanz Köln existenzielle Erfahrungen machen. Das betrifft nicht nur die Sängerinnen und Sänger, die die acht Rollen auf der Bühne ausfüllen. Ein studentisches Team entwickelt ausgehend von der Regie ein Begleitprogramm. „Wo fängt sexuelle Belästigung an?“, und „Wo schleicht sich Machtmissbrauch ein?“, fragen sie unter anderem in einer künstlerisch durchdrungenen Ausstellung mit Metaphern, Bildern und aufbereiteten Fakten. Dazu gehört auch der herausfordernde Monolog „Vergewaltigung“ von Franca Rame, der inszeniert wird. Die Präsentation soll für das Publikum in mehreren Räumen zugänglich sein, vor, während und nach den geplanten Aufführungen am 26./27./28./29. April in der Aula der Musikhochschule Köln. Die Vorbereitung sorgt bereits für viel Diskussionsstoff während und in den Klavier-Proben, geleitet von Teresa Riveiro Böhm und Maria Keller aus der Dirigierklasse für Musiktheater von Alexander Rumpf. Gabriele Rech führt Regie. Erstmals für ein Studentenprojekt hier in Köln. Es war auch ihre Idee, diese Oper in Angriff zu nehmen und auch die MeToo-Debatte in der Hochschule unter die Studierenden zu bringen. (Von Sabine Weber) Die Opernklasse an der Musikhochschule Köln fragt #MeToo? Und spielt und diskutiert sexuellen Missbrauch weiterlesen

Nadja Loschky inszeniert Antonin Dvoraks „Rusalka“ für die Kölner Erstaufführung als ein anrührendes slawisches Märchen aus dem 19. Jahrhundert. Für die siebte Vorstellung hat sich – wenn man so will – ein slawisches Traumpaar auf der Bühne getroffen: Olena Tokar und Dmytro Popov!

Premiere war schon am 10. März. Die siebte Vorstellung von Antonin Dvoraks berühmtester Oper „Rusalka“ in der Kölner Oper im Staatenhaus war eine Überraschung – fast wie eine Premiere. Tenor Dmytro Popov verkörpert erstmals den Prinzen in dieser Produktion, mit hinreißend lyrischem Timbre und ohne Durchschlagskraft in der Höhe missen zu lassen. An der Seite von Olena Tokar, die die Erstbesetzung der „Rusalka“ im letzten Jahr an der Oper Leipzig war, in Köln „nur“ die Zweitbesetzung, aber an diesem Abend ein hinreißend jugendlich, emotional vibrierendes Naturwesen im Ausnahmezustand gibt. Stimmlich, dynamisch, Melodielinien fantastisch gestaltend! (Von Sabine Weber) Nadja Loschky inszeniert Antonin Dvoraks „Rusalka“ für die Kölner Erstaufführung als ein anrührendes slawisches Märchen aus dem 19. Jahrhundert. Für die siebte Vorstellung hat sich – wenn man so will – ein slawisches Traumpaar auf der Bühne getroffen: Olena Tokar und Dmytro Popov! weiterlesen

So wird ausgegrenzt! Aribert Reimanns Oper „Medea“ führt vor, wie einer Frau alles genommen wird und wie sie sich rächt!

„Medea“ ist eine never ending story! Von Euripides dramatisiert, von Seneca aufgegriffen, in der Neuzeit von Grillparzer, Anouilh, Christa Wolf, und von Marc Antoine Charpentier, Luigi Cherubini und in einem Melodram von Georg Anton Benda, unter anderen, vertont. So wird ausgegrenzt! Aribert Reimanns Oper „Medea“ führt vor, wie einer Frau alles genommen wird und wie sie sich rächt! weiterlesen

social listening and reading